Ausstellung
Seit den Ermittlungen des spanischen Richters Baltasar Garzón gegen hohe Entscheidungsträger der Franco-Diktatur im Jahre 2008 wird auf der iberischen Halbinsel kontrovers über die Vergangenheit der recht jungen Demokratie diskutiert.
Garzón hat es sich zur Aufgabe gemacht franquistische Verbrechen, vor allem in der frühen Phase nach dem Bürgerkrieg, aufzudecken. Dafür ließ er, gemeinsam mit Hilfsorganisationen und Opferverbänden, Massengräber in ganz Spanien ausheben. Dieses Vorgehen löste Empörung und Widerstand bei rechten Gruppierungen in Spanien aus, bis hin zu Klagen wegen Rechtsbeugung.
Die Exhumierung der Ermordeten hatte ein kontroverses Medienecho zur Folge. Dabei überschattete die Politik oftmals den eigentlichen Zweck der Ausgrabungen: den Menschen, die in den dunkelsten Jahrzehnten der europäischen Geschichte zur Republik und zur Demokratie standen und dafür ermordet wurden, ein würdiges Grab zu verschaffen.
La memoria vive – Die Erinnerung lebt
Der Friedhof San Rafael in Malaga wurde während des Militärputsches und den nachfolgenden Jahren (Februar 1937 bis Ende der 50er Jahre) Zeuge Tausender Erschießungen und Begräbnisse in Massengräbern. Hier findet sich die größte Ansammlung von Massengräbern aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs und danach. Als der Friedhof 2006 endgültig geschlossen wurde, begannen die Angehörigen der dort noch immer zu Tausenden verscharrt liegenden Toten, deren sterbliche Überreste auszugraben, sie zu identifizieren und ihnen ein würdiges Grab zu geben. Das alles ist Teil des Kampfes gegen die Zeit, gegen das Vergessen und gegen das allgemeine Desinteresse in der Gesellschaft.
Bis heute wurden 18 Massengräber entdeckt und über 2500 Menschen exhumiert. Insgesamt, so wird vermutet, befinden sich auf diesem mehr als 7500 m2 großen Areal 30 Massengräber, in denen über 7000 Menschen vergraben wurden.
Sie wurden aus Gefängnissen hierher gebracht, wo man sie an der Friedhofsmauer neben dem Eingang oder direkt am Rand des Massengrabes hinrichtete. Ihre Frauen und Kinder, wurden verschleppt und ebenfalls hier getötet. Die Leichen warf man in die Gräber und schichtete sie übereinander, um Platz zu sparen. Zur Beschleunigung der Zersetzung wurden ihre Körper mit Kalk bestreut, bevor man die Gräber wieder mit Erde zuschüttete.
Der darauf einsetzende Regen vollendete die Arbeit, indem er bis zum Kalk in die Erde drang und Kleider, Knochen, Gesichter und Muskeln verbrannte und auflöste.
Ihre Namen aber bleiben in unserem Gedächtnis.
“Ohne Hass und ohne Groll, aber ohne zu vergessen!”
Die Erinnerung lebt.
Orellana Mardones.
Bilder der Ausgrabung 2007
Video der Gruppe “Contra la Impunidad”
Weitere Informationen über diese Aktion finden sich auf der Hompage der Gruppe.








